
Weisse Streifen am blauen Himmel
Was sind Kondensstreifen?
Oh, ein Flugzeug am blauen Himmel! Aber was ist das? Hinter dem Flieger bilden sich dünne weiße Streifen, die wie lang gestreckte Wolken aussehen. Sie werden Kondensstreifen genannt und um die geht es hier.

Fangen wir mit einem Mini-Experiment an: Nimm eine richtig kalte Flasche aus dem Kühlschrank und stell sie auf einen Tisch. Nach einer Weile werden sich außen an der Flasche kleine Wassertropfen bilden. Woher die kommen? Nein, die Flasche ist nicht undicht. Sondern es liegt daran, dass unsere Luft immer ein bisschen feucht ist. Normalerweise sieht man das nicht, weil warme Luft die Feuchtigkeit wie ein unsichtbarer Schwamm speichert. Aber wenn es so kalt wie außen an der Flasche ist, kann die Luft die Feuchtigkeit nicht mehr speichern und es zeigen sich kleine Wassertropfen.
Warum Flugzeuge Streifen am Himmel hinterlassen!
So ähnlich passiert das bei Kondensstreifen. Denn da oben, wo Flugzeuge fliegen, ist es sehr kalt – kälter als in jedem Kühlschrank, manchmal minus 50 Grad Celsius! Anders als warme Luft kann diese kalte Luft die Feuchtigkeit nicht speichern. Damit sich die Wassertropfen bilden, muss aber noch etwas dazukommen. Im Mini-Experiment entstehen die Tröpfchen außen an der Flasche. Bei Kondensstreifen sind natürlich keine Flaschen im Spiel. Sondern winzige Rußteilchen, die aus den Triebwerken kommen: Erst wenn diese Rußteilchen in der kalten Luft sind, bilden sich die Wassertröpfchen, die dann zu Eiskristallen gefrieren.
Oft bleiben Kondensstreifen lange am Himmel und werden durch den Wind immer breiter. Sie sind dann so etwas wie künstliche Wolken. Und das beeinflusst unser Klima. Am Tag werfen die hellen Streifen das Sonnenlicht wie Spiegel zurück in den Weltraum. Aber nachts bilden sie eine zusätzliche Wolkendecke. Sie hält die Wärme auf der Erde gefangen. Als ob du dich in eine Decke einhüllen würdest, damit es dir nicht zu kalt wird. Nachts im Bett ist das natürlich prima, damit es schön kuschelig warm ist. Aber wenn die Wolkendecke die Wärme auf unserer Erde speichert, heizt das den Klimawandel weiter an – und das ist natürlich gar nicht gut.
Was macht man, damit keine Kondensstreifen entstehen?
Die Expertinnen und Experten haben überlegt: Kondensstreifen entstehen ja nur, wenn die Luft sehr kalt und feucht ist. Na, dann könnten die Flugzeuge vielleicht in Zukunft solchen Gebieten ausweichen. Manchmal würde es genügen, wenn die Pilotinnen oder Piloten nur ein wenig tiefer fliegen, wo die Luft eben etwas wärmer ist.
Aber es gibt noch eine andere Lösung. Dabei geht es um die Rußteilchen. Nur wenn davon viele aus den Triebwerken kommen, bilden sich ja überhaupt die Kondensstreifen. Da könnten neue Treibstoffe helfen, die weniger Rußteilchen erzeugen. Zum Beispiel Biotreibstoffe. Das sind Treibstoffe aus pflanzlichen Stoffen wie Rapsöl.


Abenteuerliche Flüge mit „Schnüffelnase“
Doch wie findet man heraus, wie gut das wirklich klappt? Dafür müsste man einem Flugzeug, das Biosprit oder einen anderen neuen Treibstoff getankt hat, ganz dicht hinterherfliegen – so dicht, dass man die Abgase messen kann. Klingt echt abenteuerlich! Aber es geht! Und zwar mit HALO. Das ist ein Forschungsflugzeug, das vorne an der Spitze eine „Schnüffelnase“ hat. Genauer gesagt ist es ein Messgerät, das die Rußpartikel erkennt. Und die Messungen haben ergeben, dass Biotreibstoffe tatsächlich besser sind und weniger Ruß ausstoßen. Wenn die Forschung weiter erfolgreich verläuft, werden wir in Zukunft sicher nicht mehr so viele weiße Streifen am Himmel sehen.
ACHTERBAHNFAHRT AM HIMMEL
Die Pilotinnen und Piloten, die HALO steuern, müssen sehr gut aufpassen, wenn sie einem großen Passagierflugzeug dicht folgen. Denn hinter jedem Flieger wird die Luft durcheinandergewirbelt. Genau in diese Luftwirbel taucht HALO ein – und das schüttelt die Crew ordentlich durch. Im Cockpit fühlt sich das wie eine wilde Achterbahnfahrt am Himmel an.
Bildquellen: REC and ROLL/Adobe Stock, Mumemories/Envato, Andreas Minikin (DLR-FX), ©Jørg Schmidt und DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

