
Mit Überschall zum Ziel
Nicola Winter und ihr Traum vom Fliegen
Wow! Was ist denn da am Himmel vorbeigeflitzt? Vielleicht war es ein Eurofighter – ein Flugzeug der deutschen Luftwaffe, das superschnell fliegen kann. Unter bestimmten Bedingungen 2.000 Kilometer pro Stunde! Damit kann der Eurofighter viel schneller fliegen als der Schall. Nicola Winter ist eine von drei deutschen Frauen, die den Eurofighter fliegen dürfen. Wie sich das anfühlt und wie sie es geschafft hat, Kampfjet-Pilotin zu werden, erzählt sie Melli und Otto.

Du hast dich schon immer sehr fürs Fliegen interessiert. Wie hast du das als Kind gemerkt?
Nicola: Schon als Jugendliche hatte ich das große Glück, eine Drachenfluglizenz zu erwerben. Wie schön, dass auch meine Mutter, mein Vater und sogar meine Großmutter diesen Traum teilten. Flugzeuge und Flughäfen übten eine besondere Faszination auf mich aus. Ich verschlang Geschichten über die Flugpioniere der 1920er-Jahre. Besonders inspirierend fand ich die Erzählungen von Elly Beinhorn, die als eine der besten Testpilotinnen Deutschlands bekannt war. Es war wunderbar, von dieser beeindruckenden Frau zu lesen und zu träumen, eines Tages selbst eine solche Karriere zu verfolgen.
Nach deinem Abitur hast du dich bei der Lufthansa als Pilotin beworben. Aufgrund deiner Körpergröße war eine Ausbildung dort leider nicht möglich. Wie hat es trotzdem geklappt?
Nicola: Das war wirklich ein Rückschlag, aber ich wollte unbedingt Pilotin werden. Ich habe nach anderen Möglichkeiten gesucht und bin dabei auf die Luftwaffe der Bundeswehr gestoßen. Dort konnte ich meinen Traum verwirklichen und sogar Kampfjetpilotin werden – als eine der ersten Frauen überhaupt. Mein Rat an junge Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, ist: Lasst euch von Rückschlägen nicht entmutigen. Sucht nach anderen Wegen, eure Ziele zu erreichen. Es gibt oft mehr als nur einen Weg zum Ziel. Seid offen für neue Möglichkeiten, bleibt hartnäckig und glaubt an euch selbst. Jede Herausforderung kann eine Chance sein.

Was macht den Eurofighter so besonders? Und wie unterscheidet sich das Fliegen von anderen Flugzeugen?
Nicola: Der Eurofighter ist ein beeindruckendes Flugzeug und eines der modernsten Kampfflugzeuge der Welt. Was ihn so besonders macht, ist, dass er so vielseitig und leistungsfähig ist. Das Fliegen eines Eurofighters ist anders als bei anderen Flugzeugen. Die Steuerung ist sensibel und präzise. Man muss sich konzentrieren und schnell reagieren. Es gibt hohe Beschleunigungskräfte, die den Körper und die Psyche stark beanspruchen.

Du bist Berufspilotin, Militärpilotin, Hubschrauberpilotin und Kunstflugpilotin, zertifizierte Fluglehrerin und ausgebildete Gleitschirmfliegerin – was davon magst du am liebsten und warum?
Nicola: Das ist eine schwierige Frage, denn jede dieser Rollen hat ihren ganz eigenen Reiz und ihre besonderen Herausforderungen. Wenn ich mich jedoch entscheiden müsste, würde ich sagen, dass ich das Hubschrauberfliegen am liebsten mag. Es bietet eine besondere Art von Freiheit und Vielseitigkeit, die mich immer wieder aufs Neue begeistert. Es ist einfach fantastisch, an Orten zu landen und zu starten, die für andere Flugzeuge unerreichbar sind.
Was möchtest du unseren kleinen Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben?
Nicola: Habt große Träume und lasst euch von nichts und niemandem entmutigen. Egal, welchen Herausforderungen ihr auf eurem Weg begegnet, glaubt immer an euch selbst und bleibt hartnäckig. Seid neugierig, stellt Fragen und lernt jeden Tag etwas Neues. Die Welt der Luft- und Raumfahrt bietet unendliche Möglichkeiten und Abenteuer, und wer weiß, vielleicht seid ihr die nächsten, die die Sterne erreichen.
EIN FALLSCHIRM ZUM BREMSEN
Große Flugzeuge bewegen sich rund zehnmal so schnell wie Autos. Um anzuhalten, reichen beim Auto normale Bremsen an den Rädern. Flugzeuge bremsen bei der Landung auch mit den Rädern, doch die alleine reichen nicht aus. Daher haben die meisten großen Flugzeuge einen Trick: Sie können ihre Triebwerke bei der Landung umschalten, sodass sie entgegen der Bewegungsrichtung beschleunigen und damit beim Bremsen unterstützen. Beim Eurofighter ist das anders. Damit er schnell bremsen kann, hat er etwas Besonderes im Gepäck: einen Bremsschirm! Der sieht fast so aus wie ein Fallschirm und funktioniert auch so ähnlich. Der Schirm wird aber nicht immer eingesetzt. Nur wenn zum Beispiel die Landebahn nass oder sehr kurz ist, muss die Pilotin oder der Pilot nach dem Aufsetzen den Bremsschirm auslösen. Mit dem Schirm hat der Eurofighter einen Bremsweg von etwa 700 Metern! Nach dem Einsatz wird der Bremsschirm abgeworfen, eingesammelt und wieder neu gepackt.

Bildquellen: Kitta/Adobe Stock, Nicola Winter / Privat, Bundeswehr / Toni Dahmen, AUTOFLUG

