
Eine Göttin zum Schutz der Erde
Wie können wir uns vor Asteroiden schützen?
In unserem Sonnensystem ist so einiges in Bewegung: Die Planeten umkreisen die Sonne, Monde umkreisen die Planeten. Sie alle bewegen sich in den gleichen Bahnen. Es gibt aber auch Gesteinsbrocken, die ohne Ziel durchs All flitzen. Dabei können sie unserer Erde gefährlich nah kommen. Für diesen Fall tüfteln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an einem Schutzschild für unseren Planeten – zusammen mit Hera. Aber was hat die griechische Göttin Hera damit zu tun?

Von der Göttin zur Raumsonde
In der alten griechischen Geschichte war Hera die Schutzgöttin für Frauen und die Familie. Hera war laut der Erzählung also dafür zuständig, Menschen zu schützen – und genauso soll das auch die europäische All-Mission Hera tun. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat das Projekt ins Leben gerufen, an dem auch der Bremer Raumfahrtkonzern OHB beteiligt ist. Es soll uns vor Asteroiden schützen.
Aber was sind Asteroiden eigentlich? Asteroiden sind riesige Felsbrocken, die bei der Entstehung der Planeten vor 4,5 Milliarden Jahren übrig geblieben sind. Jetzt fliegen sie im All umher. Über eine Million solcher riesiger Steine wurden bereits in unserem Sonnensystem entdeckt. Manchmal sind sie sehr weit weg, manchmal kommen sie uns näher und könnten bei ihren Flügen auch die Erde treffen. Keine schöne Vorstellung, oder?
Ein Glück, dass unsere Erde für diesen Fall vorgesorgt hat: Sowohl die Atmosphäre, also die Luftschicht, die unsere Erde umgibt, als auch das Erdmagnetfeld helfen dabei, Asteroiden verglühen zu lassen. Stell dir das wie einen unsichtbaren Schirm vor, der uns umgibt und uns vor kleinen Steinen schützt. Aber was tun, wenn ein größerer Asteroid in Richtung Erde unterwegs ist? Für den Fall soll Hera zum Einsatz kommen.
Kleine Sonde auf großer Mission
Die europäische Mission Hera hängt mit der US-amerikanischen All-Mission der NASA zusammen. Die Zusammenarbeit der beiden Raumfahrt-Organisationen nennt sich AIDA. Die Mission hat das Ziel, die Umlaufbahn eines erdnahen Asteroiden zu verändern. Die NASA hat bereits einen unbemannten Flugkörper, eine sogenannte Sonde, ins Weltall geschickt. Sie hat erfolgreich einen Asteroiden gerammt und so seine Umlaufbahn verändert. Die Sonde, die bei der Hera-Mission zum Einsatz kommt, untersucht die Einschlagstelle mithilfe von Kameras und wissenschaftlichen Instrumenten.
Doch wozu das alles? Kurz gesagt: um die Erde künftig vor Asteroiden Einschlägen zu schützen. Aber keine Angst, unser Planet war auch bei diesem Einsatz nicht in direkter Gefahr – hierbei handelte es sich um einen Test, um für den Ernstfall vorbereitet zu sein. Wenn eines Tages wirklich einmal Gefahr besteht, haben wir dank Hera die nötige Erfahrung, um Asteroiden von unserer Erde abzulenken.

Im Rahmen der AIDA-Mission soll Hera Ende 2026 den Asteroiden Dimorphos erreichen. Die von OHB mit entwickelte Sonde ist etwa so groß wie ein selbst gebautes Baumhaus und hat zwei Minisatelliten dabei, die in einen Schulranzen passen. Nach der Ankunft sollen sich die zwei Satelliten von Hera lösen und unabhängige Experimente durchführen.

Eine Gefahr aus dem Weltall
Der Asteroid Dimorphos hat einen Radius von 160 Metern und ist damit etwa so groß wie das Kolosseum in Rom. Er ist der kleinere Teil eines Doppelasteroiden. Der große Bruder heißt Didymos und hat einen Durchmesser von ca. 800 Metern. Beide sind als Versuchsobjekte Teil der AIDA-Mission.
Bildquellen: Paulo Storch/Adobe Stock, ESA/Science Office


